Das Bergrecht
von Iglau
Bestätigt durch
König Wenzel II. von Böhmen
und
Markgraf von Mähren
in der Zeit 1283/1305
Neu aufgenommen von Eva Jaschik Dresden 2022
auf der Grundlage des lateinischen Textes des Bergrechtes von Iglau
sowie der deutschen Übersetzung von einem unbekannte Autor in Das böhmische Bergrecht des Mittelalters Auf der Grundlage des Bergrechts von Iglau
Zweiter Band
Die Quellen des Iglauer Bergrechts von Adolf Zycha
Berlin
1900
Einleitung
Die als „Urkunde B“ bezeichnete „Stadthandfeste von Iglau“ beginnt mit einer Einleitung durch den Markgrafen von Mähren und böhmischen König Wenzel II. Nach der Einleitung folgen die Privilegien der Stadt sowie die geltenden Bürgerrechte. Zum Abschluss werden die Bergrechte aufgeführt.
Ausgefertigt wurde die Urkunde im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts, in der Regierungszeit von König Wenzel II. (1283-1305).
Dieses zweite Iglauer Bergrechtsurkunde folgte dem ersten Iglauer Bergrecht, welches auch als „Bergrecht A“ bezeichnet wird.
Mit seinen 30 Paragrafen war es erheblich umfangreicher und genauer in der
Erläuterung der Rechtsgrundlagen des Bergbaus. Es hatte ebenfalls nicht nur für Iglau, sondern für alle Bergwerke im Königreich Böhmen und der Markgrafschaft Mähren Geltung. Festgelegt wurden hier Grundsätze für die Aufnahme und den Betrieb von Bergwerken, die Rechte der Schöffen und Urbarer (Bergbeamte), die Praxis der Verleihung, die Grubenfeldgröße, die Rechte der fündigen Gruben sowie die Rechte der Stollen.
Im Original wurde dieses in Latein verfasste Bergrecht als sechzehnzeiliger Fließtext niedergeschrieben und später mehrfach ins Deutsche übersetzt. Eine dieser Übersetzungen wurde von Adolf Zycha als „Urkunde N“ bezeichnet und bildet die Grundlage dieser Veröffentlichung. Sie war in zwölf Abschnitte unterteilt. Der ursprüngliche lateinische Fließtext wurde von Adolf Zycha hingegen in 30 Paragrafen unterteilt.
Die „Urkunde N“ ist die einzige vollständige Übersetzung und stammt aus dem
„Codex Altemberger“, einer Gesetzessammlung von Thomas Altemberger aus dem Jahr 1481. Altemberger war Richter, Kammergraf sowie Bürgermeister von Hermannstadt (Cibini/Sibiu).
Verwendet für diese Edition wurden der lateinischen Text der Originalurkunde sowie die deutsche Übersetzung. Die zwölf Abschnitte mit den 30 Paragrafen werden in einer Tabelle aufgeführt. Nach dem lateinischen Original folgt jeweils die deutsche Übersetzung der „Urkunde N“ und abschließend eine weiterführende Erläuterung des Textes durch den Autor.
Für die Abschrift des gesamten Textes zeichnet Eva Jaschik verantwortlich. Korrigiert und komplettiert wurden die Texte durch Uwe Jaschik.
Bergordnung
| De jure montanorum et moncium |
| Hie hebent sich an di perchrecht und daz ersten, swo ein perch funden wiert, waz rechtes der hat. |
| I. |
| § 1. Statuimus, ut quicquid urborarii de consilio juratorum Iglaviensium in montibus vel in stollonibus aliquibus concesserint vel contulerint sub sigillo eorum et urburariorum, ratum habeatur absque ulla questione. |
| § 1. Vurpaz wier schephen von der Ygla haben daz gesaczt: swaz di urbarer mit der gesworn rat von der Ygla verleihen an pergen oder an stollen oder geben, daz schullen si tun under der stat insigel, und das schol stete peleiben an alle widerrede. |
| § 1. Wir Schöffen von Iglau bestimmen, das, was die Urbarer mit dem Rat der Geschworenen von Iglau an Bergwerken oder Stollen verleihen, unter dem Siegel der Stadt soll Bestand haben ohne Widerrede. |
| § 2. Et ubicumque mons vel stollo inventus fuerit vel elaboratus, de jure habebit in eo, quod dicitur hangundez vulgariter, IIIJ laneum et in eo, quod dicitur liegundez, unum laneum, altitudo et profundum in equali statura. |
| § 2. Und swo ein perch funden wirt oder ein stolle wiert angenomen, der pehabt czu recht an sinem hangunden vierthalbe lehen und an seinem ligunden ain lehen, [hoch] und tief in glicher weise. |
| § 2. Wer ein neues Bergwerk oder einen Stollen aufnimmt, soll das Recht haben auf 3,5 Lehen in das Hangende und 1 Lehen in das Liegende, in der Höhe und in der Teufe in gleicher Weise. |
| § 3. Si quis autem novum montem invenerit, mensurentur ei VII lanei, extraque parte domino regi unus, ex utraque burgensibus unus. |
| § 3. Der einen newen perch vindet, dem schol man mezen siben lehen, itwederthalp dem kunige ein lehen und itwederthalbe den purgern einez. |
| § 3. Wer ein neues Bergwerk aufnimmt dem soll man im Streichen des Ganges 7 Lehen messen. Danach soll zu beiden Seiten ein Königslehen und ein Bürgerlehen gemessen werden. |
| § 4. Inventores vero montis dent mensuratoribus VII solidos breves. |
| § 4. Di die perch funden haben, di schullen den mezzern geben siben schillinge der kurczen. |
| § 4. Die Aufnehmer des neuen Bergwerkes sollen den „Vermesser“ 7 kurze Schilling, kurzer Schilling = 12 Pfennig bezahlen. |
| § 5. Hanc tamen mensuram hiis premissis condicionibus quilibet novus mons obtinebit. Si montis inventor meatum suum a concessore iure debito suscepit, licet alii circa ipsum metallum inveniant vel habeant, tamen primus meatuum susceptor ius suum obtinebit in eo videlicet, quod meatus eius primo a iuratis secabitur. |
| § 5. Di maze pehelt ein islicher newer perch an: alein ob der, der den perch funden hat, sinen ganch mit recht von dem leiher enphangen hat, ob halt di andern pi im ercze vindent oder habent: der den ganch enphangen hat von erste, der pehabt sin recht daran also, daz sin ganch pi dem erstem von den schephen gehawen wiert. |
| § 5. Auch wenn der Finder eines neuen Bergwerks seinen Gang rechtmäßig verliehen bekommen hat, dürfen andere in der Umgebung seiner Grube nach Erz suchen. Findet er als erster Erz sollen ihm die Schöffen seinen Gang behauen und er behält alle Rechte |
| § 6. Sed si meatus eius mensura dignus non fuerit, ex tunc secundo meatuum susceptori vel tercio in cadem minere laborantibus codem iure, quo primo, secabitur meatus. |
| § 6. Wi ein man sin maze pehalt an dem gange und an den stollen. Und ist daz sin ganch der maze nicht weert ist, so howet man dem, der nach im den ganch enphangen hat, oder dem driten, di da arbeiten an dem selben ercze, mit dem rechte, da man den ganch des ersten mit gehowen hat. |
| § 6. Er behält nur das Recht an seinem Gang und seinem Stollen, wenn das gefundene Erz maßwürdig ist. Ist das nicht der Fall, erhält der zweite oder dritte die auf demselben Gang arbeiten alle Rechte, wenn sie maßwürdiges Erz finden. |
| § 7. Et quicumque illorum plures foveas in fundo per amfractus contiguatas habuerit, si laborantes contra ipsum carere noluerint ius et ille, qui est loco urbariorum, ipsum compellent, iuramento in medio instrumento, quod dicitur runboum, prestito optinere, quod illum meatum ex tali fovea suscepit; et per hoc obtinebit, quod jurati secent meatum suum. |
| § 7. Und swelcher under in mer schefte hat mit vertigen durichslegen an dem tiefisten, wellen aver sin di nicht enperen, di gein in da arbeiten, und ouch swer an der urbarer stat ist, di betwingent in dar czu, daz er recht mit sinem eide uf dem ronpoum enmitten muez tun, daz er den ganch ouz dem selben schachte enphan habe; und da mit pehabt er, daz im di gesworn sinen ganch howent. |
| § 7. Welcher von ihnen mehr Schächte mit fertigen Durchschlägen hat im Tiefsten muß gegenüber den anderen die auf dem Gang arbeiten und gegenüber den Urbarern mit der rechten Hand auf der Mitte des Rundbaumes (Haspel) schwören, das er diesen Gang mit demselben Schacht empfangen hat. Damit erhält er sein Recht und die Schöffen müssen ihm seinen Gang behauen. |
| § 8. Et si iurati super fidem suam receperint, quod in profunditate et in stollone tale metallum viderint et reliquerint, quod sit mensura dignum et examinatum super omnes expensas case det ad minus una calefaccio unum fertonem, extunc mensuram, sicut dictum est ante, debitam obtinebit. |
| § 8. Und ist daz di schephen uf iren eit nement, daz si an dem tiefisten und in dem stollen solich ercze sehen und lazen haben, daz ez der maze wert si, und daz ez ouch also versuecht si, daz sin ein hicz czu dem ministen einen vierdunc uber die huten kost gebe, so pehelt er sin maze mit dem recht, alz da vor gesprochen ist. |
| § 8. Wenn die Schöffen beeiden, das sie im Tiefsten der Grube oder dem Stollen Erz gesehen haben, das maßwürdig ist, das ist ein viertel Mark Silber über die Hüttenkost, behält er alle Rechte an seiner Grube. |
| § 9. Item quilibet mons mensuratus XVI areas de iure optinebit. |
| § 9. Wi vil ein iglicher gemezner newer perch [hovestet] und lehenschafte hat. Ein islicher gemezner perk schol pehalten czu recht sechczehen hovestet. |
| § 9. Ein neues vermessenes Bergwerk hat das Recht auf eine Fläche von 16 Hofstätten |
| § 10. Item quilibet mons in VII laneis ad minus tres foveas, in quolibet laneo tres acies, in qualibet concessione unam aciem pro iure suo requirit nec ulterius compellatur. |
| § 10. Ein iglich perch in siben lehen geteilt schol czu rechte czu dem ministen haben drei schecht und in iglichem lehen drie orter und in iglicher lehenschaft ein orte, und mag nicht furpaz petwungen werden. |
| § 10. Jedes vermessene Bergwerk hat 7 Lehen. Diese müssen mit mindestens 3 Schächten gebaut werden und in jedem Lehen müssen 3 Örter in Betrieb sein. In einer Lehenschaft muß ein Ort in Betrieb sein. Zu mehr kann der Grubenbesitzer nicht gezwungen werden. |
| § 11. Et hec iura serventur in novis montibus et stollonibus non hereditariis. |
| § 11. Di rechte schullen pehalten werden an niwen pergen und an [nicht] erbehaften stollen. |
| § 11. Diese Rechte sollen sowohl bei neuen Bergwerken und an nicht erbberechtigten Stollen erhalten bleiben. |
| § 12. Item quicumque laboraverit in latere unius stollonis non hereditarii et metallum invenerit, mensurentur ei de ipso loco inventioni metalli VII lanei ad ius aliorum moncium. |
| § 12. Der einen [nicht] erbehaften stollen pout und ercze vindet. Swer uf einen stollen powet, der [nicht] erbehafte ist, und ercz vindet, man schol im von der stat, da er daz ercz funden hat, siben lehen [messen nach] ander perge recht. |
| § 12. Wer einen nicht erbberechtigten Stollen baut und Erz findet, dem soll man von dem Fundunkt im Streichen des Ganges 7 Lehen nach Bergwerksrecht vermessen. |
| II. |
| § 13. Si vero ex consensu et scitu porrectoris meatuum et moncium aliquis laborare incepit in eo, quod dicitur stollo, et metallum invenerit, ab illo loco nemo ipsum per IIIJ laneum ante eum et post eum impedire potest. |
| § 13. Ist ez mit des gunst und gewizen, der di perge verlihen hat und die genge, und daz etwer anhept czu powen und czu arbeiten an dem stollen und vindet einen ganc, von der selben stat uber vierthalbe lehen mag in vor im noch [hinter] im niemant gehindern. |
| § 13. Beginnt jemand in dem ihm verliehen Bergwerk oder Stollen zu arbeiten und findet einen weiteren Gang in dem ihm verliehenen Feld, so kann er diesen Gang bebauen und es darf 3,5 Lehen vor ihm und 3,5 Lehen hinter ihm, niemand diesen Gang bebauen. |
| III. Ob ein stolle wuest und ungepowen ist gelegen, daz man den verleihen mac. |
| § 14. De stollonibus hereditariis. Item mons vel stollo, qui mensurati fuerint et postea deserti visi fuerint, sex diebus dominicis proclamari debent, ut hii. quorum montes fuerint, laborent in eis. Si vero VII die dominico transacto non inventi fuerint laborantes, ex tunc urburarii assumtis iuratis proclamatos montes ascendant; et si ipsos desertos invenerint, urburarii montes illos libere porrigere possunt, cui volunt, absque omni impedimento. |
| § 14. Ein perch oder ein stolle, die gemezzen sint und dar nach wuest und unpowehaft werden gesehen, die schol man chunden sechs sontage, daz die komen, der die perge sint gewesen, und si powen. Und ist daz der sibent sontage fur kumpt, daz man niemant da arbeiten vindet, so nement die urbarer di gesworen czu in uf die vorgenanten perge; und vindent sie si danne wuest und unpouhaft, die urborer mogens verleihen und geben, swem sie wellen, an alle wider rede. |
| § 14. Findet man ein verliehenes Bergwerk oder Stollen in dem nicht mehr gearbeitet wird, so soll ma das 7 Sonntage öffentlich ausrufen, damit die Besitzer zurückkommen und das Bergwerk oder den Stollen wieder in betrieb nehmen. Wird dorrt auch am 7. Sonntag nicht gearbeitet, so sollen die Urbarer und die Geschworenen sich das vor Ort ansehen. Stellen sie fest, das in dem Bergwerk oder dem Stollen nicht gearbeitet wird, können sie das Bergwerk oder den Stollen verleihen, wem sie wollen. |
| IV. Wi ein erbehafter stolle sin recht pehelt mit dem perchrecht. |
| § 15. Modus optinendi stollonem. Tali autem modo stollo hereditarius ius suum obtinebit. Si cultor stollonis aqueductum, quod vulgo wazzerseige dicitur, sui stollonis racionabiliter elaboret et foveas suas debito modo purgaverit et infra anni spacium ad quantitatem unius mensure, quod claffter dicitur, in capite stollonis sui laboraverit et hoc demonstrare testibus poterit: ex tunc stollonem suum omni jure optinebit. |
| § 15. Ein erbehafter stolle pehelt sein recht also. Ist daz der, der den stollen powet, sin wazzerseige recht und redilichen uz furet und sine liechtlocher czu recht soubert und in iares vrist an sinem stollen howet und nur ein lachter lanch howet und arbeit, daz er mit den geczeugen pewisen mac, so pehabt er sinen stollen mit allem recht. | ||
| § 15. Um das Erbstollenrecht für den Erbstollen zu erhalten muß der Betreiber des Stollens die Lichtlöcher des Stollens instand halten, die Wassersaige säubern und den Stollen im Jahr mindestens einen Lachter vorantreiben. Den Vortrieb muß er mit Zeugen beweisen. | ||
| V. Ob ein perch den andern hindert mit der grozen wazzersnot. | ||
| § 16. Item si quis mons alium montem per aquam impediverit, judici et magistro montis tribus diebus continue pronuncietur; quibus finitis, si non fuerit interceptum, mons impediens impedito monti approprietur justicia requirente. | ||
| § 16. Und ist daz ein perc den andern hindert mit wazzers not, daz schullen di arbeiter dem richter und dem perchmeister drie tage vestiklichen kunt tun; und als die drie tage ein ende haben und undervarent si es nicht, so eigent man den versoumten perch mit recht dem perge, den er gehindert hat. | ||
| § 16. Hindert ein Bergwerk ein anders Bergwerk durch zusitzendes Wasser am Arbeiten, sollen es die Gewerken des Bergwerks, was am Arbeiten gehindert wird, 3 Tage lang dem Bergrichter und dem Bergmeister anzeigen. Ändert sich an der Situation nichts, wird das behindernde Bergwerk dem behinderten und klagenden Bergwerk zugeordnet. | ||
| VI. | ||
| § 17. Item si quis in stollone de consensu judicis, civium et magistri montis sive porrectoris meatuum laboraverit et ad mensuratum montem sive ad laneum civium pervenerit et ibidem laboratores invenerit, sine consensu eorum non transibit. | ||
| § 17. Und arbeitent iemant an einem stollen mit des richters gunst und der purger und des percmeisters und des, der die genge verleicht, und kumpt an einen gemezen perch oder an ein purger lehen und vindet dar inne arbeiten, er mac nicht hindurich gevarn an iren willen. | ||
| § 17. Wer in einem Stollen mit Wissen der Richter, der Bürger und des Bergmeisters arbeitet und er kommt mit seinem Stollen an vermessene Gruben oder Bürgerlehen und findet diese Gruben in Betrieb, darf er ohne das Wissen und Zustimmung der Gewerken den Stollen nicht durch die Grube oder das Lehen treiben. | ||
| § 18. Si autem consenserint, ad mensuram unius lachter transcat, salvo tamen jure suo, videlicet quantum ipse in laneo civium cum stollone suo super se secaverit, et quantum eo lucri habuerit, absolute tenebit. | ||
| § 18. Ist aver daz si im gunnent, so schol er varn einer lachter lanch, daz ez im doch an sinem recht nicht schade. Daz recht is also, swaz er in der purger lehen mit sinem stollen uber sich gehowen mac, und swaz er des geniezen mac, daz pehelt er vreilich. | ||
| § 18. Mit Zustimmung der Gewerken darf er das Bürgerlehen mit seinem Stollen durchfahren und hat das Recht in der Höhe von 1 Lachter im Verlaufe des Stollens über sich Erz zu gewinnen. | ||
| § 19. Ita si prius in predicto laneo fuerit laboratum, in medio eciam lanei super profundius sedebit, et quicquid lucri ferro mediocri subtus se contrahere poterit, ad usus suos cedet. | ||
| § 19. Also ob in dem vorgenanten lehen gearbeit ist, so siczet er ouch enmitten in dem lehen an daz tiefist, und swaz er mit einer kraczen under sich geschaffen mac, daz gehort an sinen nucz. | ||
| § 19. War das Lehen vorher schon in Betrieb kann er auch Mitten im Lehen in der Tiefe Erz gewinnen, so viel wie er mit seiner Kratze erreichen kann. | ||
| § 20. Item [si] burgenses postmodum stollonem suum necessarium habuerint vel quicumque alii, quartam partem expensis suis elaborans optinebit. | ||
| § 20. Die purger oder swer si sin, die nuczen den stollen mit samt im, doch pehelt er daz vierteil der kost czu sinem stollen, der den stollen hat angevarn. | ||
| § 20. Jeder kann den Stollen nutzen. Der Betreiber des Stollens erhält den vierten Teil seiner Kosten von den Grubenbesitzern erstattet. | ||
| VII. Ob man einen perch mezet, daz er der purger lehen hindert, wie man danne tun schol. | ||
| § 21. Item ubicumque mons mensurandus fuerit impediente laneo civium, quod ad minus IIIJ laneum optinere non poterit, predicta mensura novi montis in metis lanei civium sumat inicium et sic mensuram debitam optinebit VII laneorum; postea domino regi duo, juratis duo mensurentur. | ||
| § 21. Swo man einen perch mezen schol, daz es der purger lehen hindert, daz er czu dem ministen vierthalp lehen nicht mag gehaben, die vor genant maze schol man anheben czu ende der purger lehen, und also pehelt er sin recht maze der siben lehen; darnach meze man dem kunege czwei lehen und den purgern czwei. |
| § 21. Wenn ein neues Bergwerk vermessen wird und das Bürgerlehen verhindert, das zu beiden Seiten 3,5 Lehen gemessen werden können, beginnt die Messung an der Grenze des Bürgerlehens und es werden in einer Richtung 7 Lehen, dazu 2 Königslehen und 2 Bürgerlehen gemessen. |
| § 22. Si autem intra duos montes mensuratos novus mons inveniatur et debitam mensuram optinere possit, scilicet omnium laneorum, tunc mensuretur; et si habita mensura aliquid superfuerit, scilicet duobus laneis civium, quod dicitur oberschar, ad usus cedat civium. |
| § 22. Ob ein niwer perch funden wiert czwischen czwen gemezen pergen und der maz nicht enhat. Und wiert ein niwer perch funden czwischen czwein gemezen pergen und er der rechten maze an allen lehen gehaben mac, so schol man in mezen. Und als man gemizet, und wiert danne an der maze icht uber, als czwei purger lehen, daz heizet man ein uberschar und gehort di purger an. |
| § 22. Soll ein neues Bergwerk zwischen zwei bestehenden Bergwerken vermessen werden und der Platz reicht für alle Lehen aus, so soll es dort vermessen werden. Bleibt an den Grenzen Feld übrig, das nicht das Maß von 2 Lehen erreicht, so wird dieses Überschaar genannte Feld, dem Bürgerlehen zugeschlagen. |
| VIII. Ob man einen stollen anhebt und ein ander fur in kumt durich einen andern schacht. |
| § 23. Item si quis, ut dictum est supra, de consensu judicis, juratorum et porrectoris moncium stollonem iniciaverit, et alter superveniens ante ipsum extra debitam mensuram IIIJ lanei per alium stollonem vel per quamcunque foveam prior metallum invenerit, datis testibus et examinatis causis mensuram VII laneorum prior optinebit. |
| § 23. Swer einen stollen anhept, als da vor gesprochen ist, mit des richters und der schephen und der kamrermeister gunst. und daz ein ander fur in kumt uz der rechten maze viert halbes lehens durich einen andern stollen oder durich einen andern schacht und des ersten ercze vindet, daz er peczeugen mac mit versuchten dingen, der erer pehalt, daz man im siben lehen mezzen muez. |
| § 23. Wer mit der Erlaubnis des Bergrichters der Schöffen und des Kammermeisters einen Stollen getrieben hat, und ein anderer der außerhalb des Grubenmaßes von 3,5 Lehen durch einen anderen Stollen oder eine Grube das Erz früher gefunden hat, so sollen ihm, nach Anhörung von Zeugen und einer genauen Untersuchung, als erster Finder die 7 Lehen verliehen werden. |
| IX. Ob in einem stollen hangendes oder legundes ercze funden wiert. |
| § 24. De mensura angulari. Si circa aliquem montem vel stollonem in ea parte, que dicitur hangundez aut ligundez, metallum inventum fuerit, de quo sit dubium, utrum infra mensuram VII laneorum vel extra fuerit, et inter utrosque cultores suboriatur concertacio de illo metallo optinendo, eligi debent III honesti viri, qui nec hiis nec illis in partibus communicent, et quartus ex parte urburariorum et hii IIII in cespide superius mensuram angularem deferant et iuste discernant, si litem subortam discutere possint. |
| § 24. Und ist in keinem stollen oder perge an dem teil, daz da heizet hangendes oder liegendes, ercze, oder ob ez funden wiert, da man an czwifelt, weder ez uz der siben lehen maze si oder darinne, und peidenthalben ein griec under den gewerken ist, wer daz pehaben schol, so schol man darczu chiesen drie frume man, die ir entweder an keinem teile angehorent, und den vierden darczu von der urburer teil, daz die vier man oben an dem rasen ein winkelmaz nemen und recht pesen, ob man den krieg cwischen in muge czu furen. |
| § 24. Baut man mit einer Grube oder einem Stollen auf einem Hangenden oder Liegenden von dem man nicht weiß, ob es zu den 7 Lehen der Grube oder dem Stollen gehört und findet dort Erz und es kommt zum Streit unter den Gewerken, soll man drei Mann, die keine Teil an den Gruben oder Stollen haben und einen Urbarer zur Schlichtung des Streites bestellen. Diese vier Mann sollen unter ihrem Eid auf dem Rasen mit der Schnur die Gänge vermessen und entscheiden, wem der strittige Gang gehört. Ihr Urteil hat Rechtskraft. |
| § 25. Quod si fieri non poterit, oportebit, quod circa profundius illi duo meatus contiguentur per anfractum; et illo anfractu per dictos IIII electos mensura trahatur angularis, et secundum corum judicium illorum cultorum concertacio terminetur. |
| § 25. Mac das danne also nicht geschen, so muz man die czwene genge czusamen varn mit einem durichslage, und schullen di vorgenanten vier man, die dar czu gekorn sint, aver ein winchelmaze cziehen, und swie si ez danne perichtent, also schol ez stete peleiben. |
| § 25. Sollte keine Lösung gefunden werden, muß ein Durchschlag zwischen den beiden Gängen gefahren werden. Danach sollen die vier genannten die man dazu ausgewählt hat, erneut die Gänge vermessen und ein entgültiges Urteil über die Zugehörigkeit des strittigen Ganges fällen. |
| § 26. Medio autem tempore tam novi metalli inventores quam alii pro metallo laborent, quod tamen reservari debet sub custodia, ut quibuscumque jure per sepe dictos electos adjudicatum fuerit, illi optineant lite qualibet posttergata. |
| § 26. Jdoch die daz ercze funden habent und die gegen in arbeitent und nach dem ercze, sullen di weil vaste peidenthalben nach dem ercze werben und heizen ez mit der huete pehalten; swem ez danne pescheiden wiert von den vorgenanten vier mannen, di schullen ez pehalten, daz da furpaz kein krieg darczu werde. |
| § 26. Das im Zeitraum des Streites geförderte Erz soll in der Hütte verbleiben, bis die vier genannten entschieden haben, wem das Erz gehört. |
| X. Daz der richter di kleine sache richten schol uf dem perge. |
| § 27. Item civitatis Iglaviensis jus exstat, ut quicquid in montibus circumquaque contigerit, iudex montis in causis parvis iudicare habet. |
| § 27. Der stat recht von der Ygla stet also: swaz uber alle perge geschiecht, daz schol der richter von den pergen nur di kleine sache richten. |
| § 27. Nach dem Stadtrecht von Iglau darf der Bergrichter neben den Bergrechtlichen Sachen auch zivile Straftaten, die auf den Gruben vorkommen, richten. Hier allerdings nur „kleine Sachen“. Das sogenannte Blut- und Halsgericht für schwere Straftaten viel nicht in seine Zuständigkeit. |
| § 28. Si autem quisquam volneratus fuerit vel interfectus, judex montis gladiis aut cultellis tantum acceptis alias omnes causas civitati resignabit judicandas. |
| § 28. Wiert aver einer wunt oder erslagen, der richter von den pergen nimpt wol mezer und swert; die groze pucze gehoret dem richter an von der stat. |
| § 28. Im Fall von schweren Straftaten auf den Gruben durfte der Bergmeister die Tatwaffen (Messer und Schwert) einziehen, die Gerichtsverhandlung oblag aber dem Stadtrichter. |
| XI. |
| § 29. Item quicquid iurati montis iuramentis suis iudici et iuratis civitatis [confirm]averint, efficaciam optinebit. |
| § 29. Swaz ouch die gesworn perchlute mit iren eiden irem richter von der stat geantwurtent und den gesworn, daz hat kraft und stetikeit. |
| § 29. Was auch immer die Geschworenen der Bergleute mit ihren Eiden gegenüber dem Richter und den Geschworenen der Stadt geregelt haben hat Rechtskraft. |
| XII. |
| § 30. Item urborarii in aliquo stollone hereditario sine consensu et scitu cultorum magistrum montis non instaurent. |
| § 30. So mugen auch die urbarer keinen perchmeister geseczen an keinen erbestollen an der gewerken wille unde gunst. |
| § 30. Die Urbarer dürfen keinen Bergmeister für einen Erbstollen einsetzen ohndie Zustimmung der betroffenen Gewerken. |
Hoc opus fecit fieri egregius magister Thomas Altemberger magister civium et judex regius nec non camerarius urbis Cibiniensis, anno domini millesimo quadrigentisimo octagesimo primo, dicti sui officii magistri civium anno nono.
Diese ausgezeichnete Arbeit wurde von Meister Thomas Altemberger, Bürgermeister, königlicher Richter, sowie Kammerherr der Stadt Cibini (Hermannstadt) im Jahr eintausendvierhunderteinundachtzig, im neunten Jahr seines Amtes als Bürgermeister ausgeführt.
korrigiert und in Druck gesetzt: Uwe Jaschik, Dresden, 2022
