Georgs
Herzogen zu Sachsen,
Neue Bergordnung für das Bergwerk Sanct Annaberg
Sonntag Invocavit
1503
Neu aufgenommen von Eva Jaschik Dresden 2022
auf der Grundlage einer Bergordnung Herzog Georgs von Sachsen für die Bergwerke in Sankt Annaberg
vom 5. März 1503
in
Hubert Maximilian Ermisch
Urkundenbuch der Stadt Freiberg
Band II
1886
in
Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae
CDS II 13
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Einleitung
In dieser Bergordnung von Herzog Georg von Sachsen vom 5. März 1503 wurde erstmals nicht mehr der Schreckenberg, sondern St. Annaberg genannt. Die Bergordnung umfasst nur neun Artikel und kann als eine Ergänzung zur Bergordnung von 1499/1500 angesehen werden.
Das rasant ansteigende Silberausbringen, welches sich im Jahr 1501 mit 6,3 Tonnen Silber gegenüber dem Vorjahr verdoppelte und das Ausbringen auch in den Jahren 1502 und 1503 jeweils über 6 Tonnen Silber im Jahr lag, stellte die Logistik des Bergbaus offensichtlich vor große Herausforderungen. So wurde im Paragraph 4 festgestellt, dass es unmöglich war, die Ausbeute von immerhin 90.000 bis 100.000 Gulden im Jahr, zeitnah in Geld auszuzahlen. Dadurch wurde es den Gewerken oftmals nicht möglich, ihre Zubuße rechtzeitig zu bezahlen. Man suchte hier einen Kompromiss in der Verrechnung von Ausbeute und Zubuße.
Aufgrund der Vielzahl von Gruben gab es auch Probleme, diese rechtzeitig ins Bergbuch ein- oder auszutragen.
Im Paragraph 6 wurde festgestellt, dass es an Blei zum Silbertreiben mangelte und deshalb die Schichtmeister das Blei überteuert an die Hütten verkauften. Um das zu unterbinden, wurden die Hüttenherren verpflichtet, die Beschaffung der notwendigen Mengen Blei selber zu übernehmen.
Verwendet für diese Edition wurde die Veröffentlichung dieser Bergordnung in dem Urkundenbuch der Stadt Freiberg Band II von Hubert Maximilian Ermisch herausgegeben 1886 im Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae CDS II 13.
Für die Abschrift des gesamten Textes zeichnet Eva Jaschik verantwortlich. Korrigiert und komplettiert wurden die Texte durch Uwe Jaschik.
Bergordnung
Wir George von gots gnaden hertzoge zu Sachssen, landtgrave in Doringen und marggrave zu Meyssen, bekennen und thun kunth, wiewoll wir mannicherley punckt unnd artickel dießenn unserm bergwerck sanntt Annaberge genant unnd den gewerckenn sich des gebrauchende zcu guth geordnet, ßo habenn wir doch etzliche gebrechen befunden, nemelich das gar zcu vill schichtmeyster byßher gebraucht seindt unnd etwann vil dorauff gegangen unnd doch wenigk der gewerckenn unnd unßer nutz dorch sie geschickt ist, auch das die zcupuß nicht wol eynbracht ist unnd der teyl halbenn, ßo in das retardat komen, mannicherley gebrechen unnd argkwonickeyt entstandenn unnd sunst anders, dorumb etwas foriger unnßer ordenunge besserunge unnd zcusatze zcu machenn noth ist.
[§ 1.] Demenach ordnen unnd setzenn wir byß uff unßer voranderunge, das nu hinforder uff allen zechen die gewerken gemeinlich ader der meiste teill 4
macht haben schichtmeister und steiger mit unser amptleute und bergmeisters vorwillung uffzunemen und zu entsetzen, das eyn schichtmeyster uber sechs zcechen, darunder nicht uber zcwu fundig sein, nicht sal innen habenn. Doch ßo undter den unfundigenn zcechenn eyner ader mehr fundig wurden, die ime anfenglich unfundig eyngegeben unnd bevolhen sein, die mag er forder, byß ßo lange er von den gewerckenn, unßerm amptmanne unnd bergmeyster sunst auch ander ursach nicht entsetzt wirt, woll in vorsorgniß behaldenn. Unnd derselbigen schichtmeister sall keyner von den zcechenn, die im also itzundt dorch unser rethe unnd amptlewte awß unßerm bevelh eyngegebenn unnd bevolhen werden, von den gewerckenn ane unßers amptmans unnd bergkmeysters wyssenn unnd willenn nicht entsatzt ader sunst die zcechenn vorandert werden; sunder ßo dy gewercken ader unßer amptlewte bey schichtmeisternn ursach funden, dorumb voranderunge zcu thune nott ist, das sal dorch unßer amptlewte mitt wyssenn der gewerckenn ader die volmechtigen, wie die lawts foriger unßer ordenunge vorhanden sein, gescheenn. Dieselbigen schichtmeister, ßo hinforder sein werden, sollenn vleyssigenn die zcupueß unnd sunst der gewercken gelt nutzlich den gewercken zcu guth anzcuwenden unnd den steygernn, das nutzlich unnd woll gearbeyt, auch unnutze kost gemyeden wirth, auffsehenn unnd ire rechnunge lawts foriger unnßer ordenunge halden unnd der gewerckenn gelt unnd guth in keynen wege an der gewerckenn nutz gebrauchenn.
[§ 2.] Es sal auch hinforder eyn itzlich gewercke noch der zceit, ßo die
rechnunge uffs viertel jars von allen zcechen gehort unnd beschlossen ist, bynnen vier wochen sein zcubuß gebenn. Unnd noch beschloß der rechnunge sollenn alle schichtmeister in der funfften wochenn uff eynen ader zcwene tage, wie ime dy vom hewbtmanne unnd bergkmeyster benandt werden, furkomen unnd die gewerckenn, dy ire zcupuß byß uff die zceit nicht geben, ansagen. Dieselbigen teyl sollen auch uff die zceitt in unßer amptlewte kegenwertigkeit auß den schichtregisternn unnd auß dem kegenbuch geschrieben werden. Dieselbigen teyll, die also ins retardat komen und außgeschrieben sein, sollenn denselbigenn, der sie gewest sein, wo man solche teyll umb gelt vorkewffen mogen, mytt ader an der gewerckenn willenn umbsunst ader zcupuß nicht wider werden, sunder die teyll, ßo in das retardat komen, sollenn dy amptlewte von stundt eynem itzlichenn schichtmeister bevelhenn uffs thewerste den gemeynen gewerckenn zcu gut zcu vorkawffenn ader, wo die nicht mogen vorkawfft werden, umb die zcupuß ader, wo das auch nicht sein moge, umbsunst zcu vorgeben, sollichen kawff unnd gabe den gewerckenn das begerende vor andernn sollenn gelassenn werden. Wue auch die vorzcupuesten gewerckenn wurden bevelhen retardatteyll unvorkawfft unnd unvorgeben gemeynen gewerckenn zcu guth zcu enthalden, ader die under sich glich nach anczal czu teylen, das sal also geschenn, doch das dyselbigenn teyll auch gemeynen gewercken, ader itzlichem sein gebör sunderlich, wen es beschlossen ist, im kegenbuch zcugeschrieben werden. Dann, ßo eyn schichtmeyster der retardatteyll vorkewfft vor die zcupueß ader umbsunst geben, die sal der schichtmeyster auff eyn vorleyhetage unnd sunst nicht in gegenwertigkeit unnd mitt wyssen des bergmeysters unnd geschwornen, ßo die zceitt kegenwertig sein, in das kegenbuch, do der kegenschreiber alle vorleyhetage 5
gegenwertigk sein sall, schreiben lassenn. Unnd welche teyll auß den retardata anders eyngeschrieben werden, als doch nicht sein solle, ader auch ins kegenbuch nicht komen, die sollen allezceit gemeynen gewerckenn zcustehen unnd pleyben.
[§ 3.] Es sal keyn schichtmeister bey ernster straffenn den gewerckenn ire zcupueß zcu gebenn uber geordente zceit nicht nochlaßen ader frist geben, auch keynen gewercken mit der zcupuß uff sich nehmen, dorumben auch den schichtmeysternn hinforder zcu den teylenn ader sunst umb zcupueß keyne hulffe geschenn sall.
[§ 4.] Unnd nochdem byßher in ubunge herkomen ist, auch forder ane schadenn schwerlich mog vorandert werden, das von fundigen zcechenn im beschlyß der rechnunge das meyste silber eynbracht wirt, davon dann dy außteylunge gefallen sall, unnd doch unmogelich ist dasselbige silber ßo schire in gelde zcu vorandernn, darumb auch die außteylunge, nochdem wochenlich vill uff die zceche gehet, etzliche zceitt noch der rechnunge muß vorzcogen werden, des sich dy gewercken beschweren, ßo sie ire außteylunge zcu vorlegunge irer teyll nicht mogen gebrauchen unnd ßo auß mangel ihres geldes ire teyll musten inß retardat komen lassen, dy weyle dann dy außteylunge noch zcur zceit ßo eylendts auß vorberurten ursachen nicht mag bereytt werdenn, uff das deshalb keyn gewercke inn schadenn kome unnd sein teyll vorlyeße, welcher gewercke dann außteylunge zcu nehmen hatt, der seyner außteylunge zcu vorlegunge seyner teyl bedarff unnd nicht binnen der zceit, dorinne dy teyll sollenn vorleget werden, bekomen kan, der magk den schichtmeister zcu dem außteyler bringen unnd mitt dem gelde, ßo er zcu zcupueß geben sal, an seyne außteylunge weißen. Demselbigenn schichtmeyster sal der außteyler zcu bekentniß eyn zcettel seyner hanthschrifft geben, wie vil er vorweyst ist, unnd ßo das gelt zcur außteylunge bereyt unnd fertigk wirt, dem schichtmeyster dasselbige gelt, auch dem gewercke, ab der etwas doruber zcu außteylunge behalden, sein rest entrichten. Unnd welche also die schichtmeyster an ire außteylunge weyßenn, die sollenn domitt ire teyll vorleget habenn.
[§ 5.] Item ßo nun hinforder ymandt eyn lehen ader zcechenn vonn newes uffnehmen wirt, ßo magk der uffnehmer dieselbigenn zcechen eyn viertel jar rechnunge mitt schichtmeysternn vorsorgenn laßenn unnd mittler zceit demselbigen lehenn ader zcechen gewerckenn machen. Unnd noch dem viertel jars sal der uffnehmer die zcechen ader lehenn mitt den gewerckenn in das kegenbuch schreibenn unnd dem bergmeister ansagenn dy eynem vleyssigenn schichtmeyster zcu bevelhenn, unnd welche lehenn ader zcechenn nach zceit des uffnehmens in nechste rechnunge ader uff nehstenn vorleyhetage darnach nicht im kegenbuch funden wirt, die sal uns v silbern ß vorfallen sein sacz (?) vom uffnemen und einschreyben.
[§ 6.] Unnd als sich byßher dy schichtmeister von wegenn der gewerckenn selber zcum schmeltzenn haben mitt pley vorsorgen mussen, dorauß vill undrats entstanden, haben wir geordnet unnd wollenn, das eyn itzlicher huttenn- 6
herre zcwischenn hie unnd nehstkunfftigenn osternn sich dorzcu schickenn unnd hinforder in seynen hutten schlacken, schlackenstein unnd flüsse, was zcum satze gehört, unnd dorzcu pley schicken sal, also das die gewercken ader schichtmeister dasselbige in den hutten finden unnd uff itzlich male, ßo vil man des zcum schmeltzenn zcu itzlicher schicht bedarff, bekomen mogen, welches alles die huttennherrenn ader derselbigen vorsteher nicht hocher, dann wy sy es erzcewgenn mogen, sollen sampt andernn huttenkost foriger unßer ordenunge nach bezcalt nehmen. Unnd ßo doch eyn itzlicher schichtmeister das pley wegenn, nehmen unnd, was er des nympt, auffzceichen unnd sall in itzlicher huttenn eyn wage unnd Leypzcigsch gewicht sein, domitt das pley eynem jedenn recht vorgwegenn werde. Unnd welcher schichtmeyster ader gewercke sein eygenn pley noch vorberurter zceitt gebrauchen will, dem sal zcu schmeltzenn nicht vorstadt werden.
[§ 7.] Wyr haben auch vorordent sechs abtreyber, die sunderlich dorzcu vorordent sein, daruber auch keyn ander abzcutreybenn sich undterstehenn sall. Dyselbtigenn abtreyber sollen sich ihres lones, wy zcuvor geordent ist, settigen unnd benugen lassenn.
[§ 8.] So abgetriben wirt, sall eyn itzlicher schichtmeister beym abtreybenn kegenwertigk sein unnd den plyck der huttennvorsteher von stundt probyrenn unnd wegenn, auch desselbigenn hantschrifft zceichenn lassen, was der plyck gehalden unnd gewegen hatt, unnd solch vorzceichens sampt dem plyck den zcehentnern bringen.
[§ 9.] Unnd als wir befinden, das an vil enden den gewercken unnd gemeynem bergwerge lessig, unordentlich unnd schedlich gebawet wirt, habenn wir unßerm bergkmeyster bevolhenn sampt den geschwornen dorauff zcu sehenn unnd, was sie vor nutzliche bew, es sey mitt richtschachten ader andrem, den gewerckenn zcu guth erkennen werden, solliche bew zcu vorschaffen unnd anzcugebenn; wollenn wir, das denselbigenn ihres angebens sal vorfolget werden.
Unnd nochdeme dieße artickel alle unnd itzlicher auß guter betrachtunge gemeynem bergkwerge unnd den gewercken zcu guth von uns geordnet sein, wollenn wir solchs von eynem jeden, den es betreffen magk, gehalden habenn; unnd an welchem anders wirt befunden unnd sunderlich die schichtmeyster, wo die unnßer ordenunge ubertreten, sollenn mitt ernste gestrafft werden, unnd gegenn denjhenigen, die sich unßers willens unnd bevehels halden, wollenn wir uns in sunderlichen gnaden erczeygenn.
Datum am sontage invocavit anno c. tercio.
korrigiert und in Druck gesetzt:
Uwe Jaschik, Dresden, 2022
