Bergordnung für
Schwaz
von
Herzog Siegmund von Österreich
am
Freitag
Sanct Maria Magdalene
1468
Neu aufgenommen von Eva Jaschik Dresden 2023
auf der Grundlage der Bergordnung Herzog Siegmund von Österreich
für Schwaz
vom 22. Juli 1468
in
Thomas Wagner
Corpvs Ivris Metallici
Sammlung der neueſten und älterer
Berggeſetze
Leipzig
1791
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Einleitung
Diese Bergordnung wurde am 22. Juli 1468 für die Bergwerke in Schwaz von Herzog Siegmund von Österreich, Steiermark und Kärnten sowie Herr zu Krain und Graf zu Tirol erlassen.
In der Einleitung der Bergordnung bemerkte Herzog Siegmund, dass es trotz zweier von ihm verfasster Briefe zum Schwazer Bergbau dort zu Unstimmigkeiten gekommen war.
Deshalb beschloss Siegmund, gemeinsam mit Gewerken und Räten aus Schwaz und Gossensaß, eine neue Bergordnung zu erstellen.
In den 14 Artikeln wurden die Zuständigkeiten der Hutleute und Bergrichter dargelegt sowie die Bezahlung der Bergleute geregelt.
Explizit wurden nochmals das Vorgehen bei einer korrekten Grubenvermessung beschrieben sowie die Rechte der Gruben untereinander erwähnt. Auch wurde der Erzverkauf außerhalb von Schwaz und Gossensaß verboten.
Verwendet für diese Edition wurde die Veröffentlichung dieser Bergordnung in Corpvs Ivris Metallici Sammlung der neueſten und älterer Berggeſetze, herausgegeben von Thomas Wagner 1791 in Leipzig.
Für die Abschrift des gesamten Textes zeichnet Eva Jaschik verantwortlich. Bearbeitet, korrigiert und komplettiert wurden die Texte durch Uwe Jaschik.
Bergordnung
Wir Sigmundt von gotes gnaden Hertzog zu osterich zu Steyer zu kernden vnd zu krayn Graue zu Tyrolle c Bekennen wie man bißher Etlich ordenug In vnserem Bergkwergk zu Swatz auch andern enden In vnsern landen der
Graffschafft Tyroll nach Inhalt eines Bergbrieffs durch vns bestatet, Auch zweyer vnser brieff von vns eyner In dem Siebenundvirtzigsten Jare der ander In dem Achtundvirtzigsten Jare außgangen gegeben habenn, Vnd sich aber kortzlich In vnserm Bergkwergk zu Swatz eine Irung vnd Stritigkeyt Begebenn erhept vnd gemacht hat, desshalb dieselbe hinzulegenn vnd damit sich Solich auffrore hinfort nicht meher begeben ader erhebben, Auch vnser bergkwergk In wesen vnd auffnemen gehaltenn vnd frone vnd wechssel auch gemeyner Nutz gefurdert werde, Haben wir vnser Rethe die geswornen Gewergkenn vnd auß der gemeynde von Swatz vnd von Gossensee So von vns darzu gefordet Die nachgeschribenne ordenung zusampt den Artickeln In den obgenannten brieffen begriffen, Auch andern guten gewonheytenn außerhalben derselbenn brieffen gehaltenn, furgenommen vnd gesazt, darzu wir vnsern Willen gegebenn habenn Geben auch wissentlich In crafft dicz brieffs vnd meynenn daß die Nue Furbaß also volfurt vnd gehanthapt sollen werden, vnd seind daß die selben Ordenuge
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Ordenuge von Erist vber die verschrebunge
- Welche grubenn Ir Beymarch vnd pfloͤ ck an dem tage Nympt vber sich ader vnter sich Welcher Nachpawer ader graͤ be vor zu Im kompt obe ader vnder sich So soll derselb pfloͤ ck hinein mit der wage In den gangk gepracht werden vnd sall dan der elternn gruben Ire drei schnore auff dem gange mit der mase gegeben werden, dardurch der gangk plybe wie man Ine findet, vnd der ander pfluck soll keynn krafft mer haben
Eyn Ander Cappittel
- Obe mer genge Im gepirge legenn fur an, damit die erwegkt vnd erbawet werden, wo zwoe gruben auff dem gange zu einander kommen daß die Jùngere der Eltern gruben weychen muͤ ste vnd ein lehn vom gange geweyset werden, daß die Jùngere grube ab sie wolde, wole durch den gangk vnd durch der Elternn grubenn gerechtigkeit Ir an schaden Ein Schnore In das ligende oder aber in das hangende varen magk, vnd waß genge vnd Ertz Sy darnach erpawet dabey soll sie gehalten werden So lange vntz [bis] das ein ander grube kompt eyne ader mer, an clufft vnd genge So soll aber bescheen souil vnd recht ist
Doch die grube die Ire Recht auff dem aͤ usern gange gnomen Hat vnd mit eysen darauff verschint ist Soll kein recht auff dem andern gange habenn
Ob sich ein grube verlege vnd worde wieder auffgnomenn
- Ob sich ein grube verlege vnd worde zu den andern male auffgnomen So sall nach der Jungsten verpfallung gericht werden vnd daß alt soll abe sein vnd kein krafft mer Haltenn
Von den Berckrichter
- Das keyner vnser Berckrichter keynen teyll an den Bergkwergk pawen sall nach keynem andern sein teyll nicht verwesenn er sey wer er sey Auch vnparthiert In allen sachen sein sollen Vnd glichs Rechtens dem Reichen als dem armen furen vnd ergehenn lasenn als von alter In den Bergkwergken herkomen ist Angeferde.
Von dem furkauff deß Ertzes
- Es soll keyner mit dem Ertz zu gossensas Swatz nach andern enden In vnserm lande der graffschafft Tyroll nicht furkauff tryben nachdem vnd durch solichs daß Ertzte verfuͤ ret vnd einchem man nutz verhindert wirt
Von gehorsam der gewergken
- Es sall ein Iglicher gewergk der da pawet zu der Rechenung bey den gruben wan er durch den Hutmann erfordet wirt geen, ader eynen verweser da 5
Haben sall Dar durch die gewergkenn Ir noyttorfft vnd der grubenn nutz mit dem Huͤ tman gereden mogen deßglichen er Hinweder gegen Ine, vnd damit die arbeyt zu rechter zeyt einschriben vnd außforen als von alter her komen ist getrewelich vnd vngeferlich
Es sall ein Iglicher Huͤ tman seynne arbytern Iren lone setzenn mit wissen der gewergkenn
- Auch sall ein Huͤ tmann seynem yden arbeiter setzen vnd Rechnen seynen lone mit willen vnd wissen der gewergken den er verdienen kan vnd mag nach seynenn trewen vngeferde
Von auffsehung der Huͤ tlewth
- Die hwtlewt sallen zu rechter zejt vnd weyl mit sampt den arbejtern an vnd abe dem berge geen, truwen vlies vnd auffsehen Haben, daß die arbejter, yder darnach seynem statten seyn lone were, verdiene vnd trew arbejt thu, auch keyner ein fritag schicht fur die samßtag schicht arbejt
Von betzalung der Arbeytér
- Eß Sallen auch die gewergken Nachdem vns der Huͤ tman gerechent Hat den arbejternn Iren lone furderlich reichen vnd geben vnd nicht mit pfenginwerten dringen
Der verweser vnd verleger halber.
- Awch alle die Bergkwergk pawenn Sie syenn lantleute ader gest Sollen Ir verweser zu Swatz und gossensas Haben, dardurch die Huͤ tlewth ader arbeyther nicht zu Ine vmb die samkost oder zum Rechten ferer betorffen zu senden, dar durch nich schid Im rechten beschen ader schade auff sie erwachsse
Von vberiger Zherunge.
- Alßo dan bißher große czerung zu den teylungen gescheen ist dar durch die gewergkenn beswert sein worden vnd damit selbe Hinfur vermitten plybe So sollen eynen ydem arbeiter funff creutzer darfur gegeben werden die magk er vertzerenn ader anwerden nach synem willen vnd wole gefallen
ander auffnemunge.
- Ob eyner an den Richter begert Ine Horen zu laßenn auß dem puche deß verfahens der alten gruben, der Richter sall Ine daß Horen laßenn damit ein Iglicher wyße In den gruben zu kauffen ader Nawe auff zu schlagen
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von vrteyll vnd Rechtspruch.
- Awch Sollen alle urtejll vnd rechtspruch mit clage vnd wederrede In daß gerichts puche geschreben werden derHalb wan sich ein sach begebe darumb vor vrteyl vnd recht gesprochen ist Vnd ein clager ader antworter begert Im solich vrteyll lesen zu laßenn daß solichs geschee, vindet sich dan daß dieselbe der gliche gewesenn So sollen die geswornn keyn vrteyl darumb sprechen Sander bey der gefallen vrteyl laßen blybenn
von vrteyln zu Dingen.
- Wer vrteyl dingen will der sall dingen deweyl der richter sitzet vnd den stap in der Hant hat nach ordenung deß gerichts, doch also Wye nach der gelegenheyt der sachen er daß noyttorfftig wirt altzejt macht Haben, die zu mynnern, ader zu meren, davon zu nemen vnd dar zu zusetzen, gantz ab zunemen vnd ander zu machen, nach vnserm gefallen wie dan daß vnser vnd ein gemeyner nutz kunfftiglichen wirdet erfordernn, vnd empfhellen daruff vnserm getruwenn Petern fabyan Vnserm Bergkrichter zu Swatz vnd gossensas ader wer kunfftiglich vnser Bergrichter daselbes sein wirdet den gesworn vnd allen andern So zu den benanten vnd andern vnsern Bergkwergken gehornn vnd die vorgenant vnser ordenung antrifft, Ernstlich gebytenn daß sy das also Halten vnd da weder nicht zu thund nach gestaten zu thund In keyne wajse daß ist vnser ernstlich mejnung vnd wile Mit vrkunde dieß brieffs geben zu Insprugk Am fritag sanct maria Magdalene tag Anno c der mynern zoll Lxviij.
Worterklärung und verwendete Währung
| pfenginwerten verschint Creutzer | Naturalien vermessen 60 Kreutzer = 1 Gulden |
bearbeitet, korrigiert und in Druck gesetzt: Uwe Jaschik, Dresden, 2023
